So spaziert man im Sommerregen.

Sommerregen sind ein Segen für die von der Hitze ausgezerrte Natur. Was gut ist für die Natur, kann dem Menschen nicht schaden. Eine Ode an den Sommerregen:

Der Sommerregen

Wie milde säuselst Du, o kühler Regen,

Auf die verschmachtende, verbleichte Flur.

Dein längst so heiss, so bang erflehter Segen,

Erfrischt die ganze seufzende Natur,

Und neu gestärkt erheben Gras und Bäume

Die matten Häupter in der Lüfte Räume.

Der Sonne Glut schien alles zu verzehren;

Es welkte still dahin der Blumen Glanz.

Die Pflanzen neigten sich – ein allgemein Verheeren

Bedrohte selbst der Wälder dunklen Kranz,

Und brennend schien in ihrer dumpfen Schwüle

Die schwere Luft dem lechzenden Gefühle.

Da strömtest Du, aus höhern Regionen

Zur Labung freundlich uns herabgesandt,

Die kühlen Perlen, die in Millionen

Voll heissen Durstes trank das dürre Land.

Wie gute Geister wehen durch die Fluren

Der neuen Lust und der Erquickung Spuren.

Charlotte von Ahlefeld (1781–1849)

× Schliessen